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Genesis
Die Zeitendämmerung
Der Zenit
Die Agonie
Die Flamboyanz
Die Eklipse
Das Zwielicht
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Genesis Harmundias
Das Zwielicht
Nachdem die Musen Diurn geopfert hatten, war der Tag ausgezehrt, verschlissen und zu schwach, um einem weiteren Angriff wie jenem der Dame
des Herbstes und der Maske standzuhalten. Seitdem herrschte in Harmundia eine Art von beständigem Zwielicht vor, ein subtiles herbstliches
Halbdunkel, gegen das die anderen Jahreszeiten ankämpfen mußten, um zu überleben.
Es war das Ende der Flamboyanz und das Ende der weltumfassenden Inspiration.
Der Herbst wurde von diesem Augenblick an als eine verfluchte Jahreszeit erachtet. Die Jahreszeitlinge seiner drei Dekane - die Pixies, Draaken
und Morganas - wurden verdammt, und sie, die Gefallenen, wurden zu Agenten der Maske.
Neben all dem hatte die Maske einen Sieg errungen und den Weg für seine Vergeltung und seine Rückkehr zur Macht geebnet. Durch die Eklipse
konnten die Flammen nach dem Tod der letzten inspirierten Menschen nicht mehr zum Seelenkern zurückkehren, sie lösten sich hoch oben
in der Atmosphäre der Welt langsam auf oder schweiften ziellos umher als Erleuchtete. Die Flammen würden sich selbst ausbrennen, und
eines Tages würden die Musen engültig sterben.
Das Zeitalter des Zwielichts hatte begonnen.
Der Pakt zwischen Janus und den Jahreszeiten
Janus mußte etwas gegen die Eklipse unternehmen, denn sie war ein Angriff auf seine Rolle als Ordnungsbewahrer und kippte die Balance, die
zu erhalten seine Aufgabe war. Der langsame Tod der Musen durften nicht eintreten. Das Gleichgewicht, Äquilibrium, mußte zwischen den
Göttern wiederhergestellt, die Dominanz einer einzigen Jahreszeit beseitigt und Harmundia wieder mit der Inspiration in Einklang gebracht
werden. Die Vollkommenheit mußte zu neuer Blüte geführt werden.
Also besuchte Janus die restlichen drei Damen der Jahreszeiten, die er zusammengekauert in ihren Zufluchtsorten fand. Er wußte, daß
es schwer werden würde, sich ihnen zu nähern, denn sie waren vom Verrat des Herbstes schmerzlich verwundet worden und lehnten alle Gespräche
mit den Unsterblichen ab. Aber dennoch gelang es ihm, sich ihnen mitzuteilen und ihnen ein Abkommen vorzuschlagen: Ein Weg mußte gefunden
werden, die Inspiration fortzusetzen und sie mit der Zeit und trotz der Eklipse wieder mit dem Seelenkern zu verbinden. Und Janus bat die Damen
um Hilfe bei der Bewahrung und zukünftigen Übermittlung der Flammen der letzten Inspirierten. Als Gegenleistung stellte er ein neues
Urteil in Aussicht, das einen neuen Jahreskreislauf der Dekane einsetzen würde: Das Jahr würde zehn Monate haben, drei für den
Winter, drei für den Frühling, drei für den Sommer und nur einen für den Herbst (denn es war Janus nicht möglich, die
Gefallene Jahreszeit vollständig auszulöschen). Grundsätzlich aber würde auch jede einzelne Jahreszeit, die sich heimtückisch
der Vorherrschaft über die anderen bemächtigen wollte, Janus persönlich gegenübertreten müssen.
Doch die Jahreszeiten waren trotzdem guten Willens und stimmten nach einem langen Streitgespräch zu, auch wenn sie sich als wesentlich fordernder
herausstellten, als Janus das vorhergesehen hatte. Ihre Hauptforderung war, die Flamme und somit die Inspiration auch ihren Kindern zu schenken.
Dieser Wunsch beruhte nicht nur darauf, die Jahreszeitlinge vor den Angriffen der Maske nach der Verführung des Herbstes beschützen
zu können, sondern auch auf dem Bedürfnis nach einem fortdauernden Dasein in der Geschichte Harmundias durch die Vermittlung ihre Kinder.
Janus beugte sich den Forderungen der Damen, und die Jahreszeiten verbargen sich daraufhin selbst, mit Hilfe einer speziellen Kunstform, in magischen
Bilderwelten, um jeder zukünftigen Verlockung und Besitzergreifung der Maske zu entgehen.
Janus wies neun Jahreszeitlinge, einen von jeder Art, an, den Rat der Dekane zu gründen. Ihre Aufgabe sollte es sein, über die Inspirierten
im Augenblick des Dahinscheidens zu wachen, ihre Flamme zu bergen und sie an einen zukünftigen Inspirierten weiterzureichen, gleich, ob Mensch
oder Jahreszeitling. Janus erlaubte ihnen den Zugang zu den Flammen und vermittelte ihnen das Wissen zur Kontrolle der Flamme, zum Beispiel, wie
man sie transportiert.
Aufgrund ihrer chaotischen Natur war die Tatsache, daß es nun auch inspirierte Jahreszeitlinge gab, ein großer Vorteil gegenüber
der Maske. Und nur Janus sollte diejenigen bestimmen, die als geeignet erschienen, fürderhin die Flamme zu bekommen.
Die Pläne der Maske waren hintertrieben worden, aber nun begann wieder ein Krieg, ein neuer, geheimer Kampf zwischen den Inspirierten, die
danach strebten, eines Tages die Musen wiederzubeleben, und der Maske, der darauf versessen war, alle Sterblichen unter sein Joch zu zwingen.
Die Künste
Die Unsterblichen zogen sich aus dem Theater der Welt zurück, ließen die Sterblichen leben und sich nach eigenen Wünschen entwickeln.
Die Erinnerungen an die Musen und die Maske verblaßten, und die Flamboyanz lebte in den Gedächtnissen der Menschen nur durch die Helden
weiter, die sie hervorgebracht hatte, und durch die Relikte, die Harmundia überall schmückten.
An einigen Orten verursachten Tänzer oder Splitter magische Effekte, die manche Personen verstanden und meistern konnten. Aber besonders
die Inspirierten, welche jüngst die Flamme vom Rat der Dekane erhalten hatten, vergaßen nicht ihre Aufgabe und erlegten sich die Queste
auf, die Erinnerungen an die Musen zu bewahren und deren Rückkehr voranzutreiben. Denn für sie glomm hinter dem Schleier des Zwielichts
eine unsichtbare Glut: der Seelenkern.
Die Inspirierten machten sich an die Arbeit und erschufen die Magischen Künste, Rituale, die sich der hohen Künste - der Musik, Bildhauerei,
Malerei und Poesie - bedienten, um die Kräfte der Flammen freizusetzen, die in ihnen ruhten. Darüber hinaus waren die Künste Mittel
und Möglichkeit, den Musen einen immateriellen Tempel und den Erleuchteten ein Pantheon errichten zu können, um irgendwann einmal die
Verbindung zwischen dem Seelenkern und Harmundia wiederherzustellen.
Unglücklicherweise wurden die Besten unter den Kindern der Musen im Laufe der Zeit zu Erleuchteten. Es gab weniger und weniger Flammen weiterzugeben,
und...
Die Bedrohung war nicht verschwunden.
Der Baum des Dämmerlichts
Die Unsterblichen hatten sich zurückgezogen, wie Janus, oder waren vor dem Licht geflohen, wie die Maske, aber sie hatten die Weltenbühne
niemals vollständig verlassen. Die Maske hatte ihre Suche nach Macht nicht aufgegeben und setzte seine feinsinnigen Intrigen überall
in den Reichen fort.
Janus wurde zum Sehenden Auge des Mondes, um das brüchige Gleichgewicht der Welt besser beobachten zu können. Er sah voraus, daß
die Maske eines Tages die Hinrichtung Diurns anstrebte, um ihn für seinen Verrat zahlen zu lassen. Deshalb achtete der Herr der Urteile besonders
auf den Orb, der Diurn gefangenhielt. Aber dennoch begab es sich, daß die Maske seinen Dolch kraftvoll in den Schacht schleuderte und den
Orb zerbrach. Dann jedoch wurde eine fremdartige Alchemie erzeugt: Diurns Befreiung setzte auch das letzte Feuer seiner einstigen Macht frei,
das zum Boden des Schachtes niederfuhr. Dort verwurzelte es sich tief in der Erde und verband sich mit dem Abyss, dem Reich des Schatten. An dieser
Stelle wuchs ein schwarzer Baum, angefüllt mit der Finsternis und verbunden mit dem Licht: der Baum des Dämmerlichts.
Janus nun hatte die Absicht, ein neues Zeitalter der Flamboyanz aus einem Bündnis zwischen Diurn und dem Schatten erblühen zu lassen,
und er flüsterte Diurn die Gründung einer Schule ein, der Schule des Dämmerlichts, wo der Schatten unter den Augen Diurns herrschen
sollte. Auf der andere Seite jedoch sollte weder der eine noch der andere von den beiden das Recht haben, die Schule zu verlassen, um nicht die
Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Diurn sollte in dieser Schule besondere Personen ausbilden, die sich Graue Eminenzen nennen und seine
Spione sein würden. Sie sollten von den Taten und Reden der Großen und Mächtigen in den Reichen berichten und Janus gleichzeitig
dabei helfen, die Handlungen der Sterblichen besser lenken und seine Urteile genauer formulieren zu können.
Dann, sobald es genügend Graue Eminenzen gäbe, sollten überall auf Harmundia Dämmerlichtbäume gepflanzt werden für
eine neue Ära der Harmonie unter Janus´ Obhut. Um das zu bewerkstelligen, benötigte Janus aber jemanden, den er auf die Schule
des Dämmerlichts schicken konnte, um dort Diurns Schüler und Erbe zu werden. Diese Person würde fähig sein, die Mauern der
Schule hinter sich zu lassen. Sie würde die Saat der Dämmerlichtbäume ausbringen und die Eminenzen ganz Harmundias befehligen.
Diese Person war Agone von Rundstein.
Heute: Gegen die ewige Nacht
Die Maske unterwandert Persönlichkeiten, Reiche, Adelshöfe und Gilden.
Er sammelt seine Diener um sich und erweitert beständig seinen Einfluß. Er wird sein Ziel erreichen, wenn das Zwielicht vollständig
ist. Das in alten Zeiten geschlossene Bündnis mit dem Schatten besteht noch immer, und Nox stellt der Maske seine Dämonenhorden zur
Verfügung, um seine Rückkehr zu betreiben.
Die Maske dagegen benutzt Nox zum Verbergen seiner Handlungen vor den Augen der Menschen, damit er dereinst wieder über Harmundia herrschen
und alle Sterblichen versklaven kann.
Die Maske fängt die Flammen, die ihn an der Herrschaft hindern, und läßt sie verlischen. Heute, in unserer Zeit, gibt es nur noch
eintausendundeine von ihnen.
Wie es die Grauen Eminenzen prophezeit haben, flackert der Krieg erneut in Harmundia auf. Ein verräterischer, hinterhältiger Krieg,
in dem nur wenige kämpfen, aber viele fallen. Denn alle Sterblichen sind seine Opfer.
Doch die Musen hinterließen mit den Inspirierten ihre Erben, die Träger der Hoffnung auf eine freie Welt.
Der Einsatz dieses Spiels: Flamboyanz oder ewige Nacht.
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(Übers. u. bearb. v. JS)
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