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Genesis Harmundias

Die Zeitendämmerung

Die Musen
Am Anfang waren die Musen. Sie entstanden in einer Mulde des Nichts, lösten sich von den Sternen, die in der Leere funkelten, und fügten sich zusammen. Sie waren vier an der Zahl: Orphèle, Cysèle, Nuence und Stance. Sie waren göttliche Wesen, und ihre Essenz war Schöpfung.
Aber noch war keine Schöpfung geboren. Die Musen wandelten umher, hinterließen jedoch nichts als den Hauch ihres Vorbeiziehens. In ihnen schlief die Zukunft - die Begierde, das Leben, Zeit und Verzauberung -, eine Zukunft, die auf ihr Erwachen wartete.
Als sich ihre Blicke trafen, konnte jede in den Augen der anderen die Verheißung einer Welt erkennen, die es zu erschaffen galt, einer Welt, die die Verwirklichung ihrer tiefsten Sehnsüchte sein würde. Für diese Welt mußten sie sich vereinigen, denn eine Welt, erschaffen allein durch die Hand einer einzigen von ihnen, konnte nur unvollendet sein, wohingegen ihr Bund ein wahres Meisterwerk gestalten würde. Zusammen könnten die Musen eine Welt formen, die zugleich verzaubert und verzaubend wäre.

Harmonie
So geschah es, und Orphèle, Cysèle, Nuence und Stance vollführten Bewegungen von höchster Grazie, schufen Muster, die immer gewagter, immer fruchtbarer wurden. Verschlungene Formen flossen entlang ihrer durchsichtigen Körper, und ihre Augen glänzten mit dem Feuer der weit entfernten Sterne. Konturen von Welten, die niemals sein würden, glitzerten in Cysèles Händen. Nuence zog wilde Farben aus den Tiefen des Nichts und schwenkte sie vor den Augen ihrer Schwestern. Lieder, die niemals jemand hören würde, kamen flüchtig über Orphèles Lippen. Stance aber beobachtete und ordnete die Handlungen der anderen Musen und erzählte ihre Geschichten als ein Geschehen, das sich entfaltete. Nach und nach erwuchsen die Umrisse und Farben, Klänge und Bewegungen ihrer Schöpfung aus der Mitte ihres Tanzes.
Die vier Göttinnen schufen Harmonie. Es war geradezu ein Spiel, aber dieses Spiel gebar ein ganzes Universum.
Aus elementarer Masse, grob behauenen Formen, feinfühligen Abläufen und, letztendlich, durch die Kraft Cysèles wurden lebende Wesen gestaltet, um durch die Lande zu wandeln, die sie modelliert hatte.
Und es waren Farben, die sich in die Unendlichkeit erstreckten, sich im Sternenlicht veränderten; und all die glänzenden Spiegelungen in diesen Farben schuldeten Nuence ihr Dasein.
Und es war Wind in den Blättern, Wellen, die sich an Felsen brachen; und durch die Anmut Orphèles wurde Klang zu Melodie, das leiseste Geräusch verwandelte sich in wundervolle Musik.
Und es war Bewegung, die Bewegung der Elemente und die Handlungen der Lebewesen; und Stance begann, all ihre Geschichten zu erzählen.
Denn diese Welt sollte eine Geschichte haben, eine so weit wie möglich ausgeschmückte Geschichte, und ihr sollte ein unvergeßliches Erbe gegeben werden.
Die Zeit begann, sich zu entwirren, und der erste Tag brach an.
Als alles vollendet war, hielten die Musen inne, um ihr Werk zu betrachten. Sie verstanden, daß ihre Magie zum ersten Mal ein Sein im Nichts geschaffen hatte, eine verzauberte Zuflucht inmitten des Nirgendwo, wo ihre zukünftigen Kinder leben und verweilen konnten. Die Musen wollten, daß ihre Schöpfung wie sie selbst sei, und sie wollten, daß deren Bewohner dieselbe Harmonie bilden würden, die ihren eigenen Bund angeleitet hatte.
So stiegen die Musen zu dem Land herab, das sie dem Nichts entrissen hatten, und nannten es Harmundia.

Die Suche nach der Endgültigen Vollkommenheit
Die Musen tanzten in ihrer neuen Welt, erfreuten sich an deren feinsten Details, und Natur erblühte unter ihren Füßen ohne Unterlaß in all ihrer Pracht. Tiere und Pflanzen, lebende Wesen und unbewegliche Massen frohlockten zusammen und feierten ihre Schöpfer, die ihnen ihre Gaben geschenkt hatten.
Aber der Tanz der Musen offenbarte Unvollständigkeit in ihrem Werk.
Sie spürten, daß sie sich in Wirklichkeit nur für die Schönheit dieses Universums gegenseitig gesucht hatten. Jede der Musen fühlte den Drang, sich mit den anderen zu vereinen und damit totale Harmonie zu begründen, denn durch ihre Verschmelzung könnten sie Vollkommenheit erlangen. Die Harmonie, welche die Erschaffung Harmundias ermöglicht hatte, könnte nun den Musen selbst dienen und sie ihrem eigenen Traum einverleiben, um einen vollendeten Kreislauf zu schließen.
Und so trafen sie sich in einer glänzenden Perle im Herzen Harmundias und bildeten um sich herum den sagenhaftesten Ort, den man sich vorstellen kann. Dann fielen sie in eine Trance, verließen ihre Körper und begannen mit der Suche nach der Endgültigen Vollkommenheit. Um sich selbst zu entdecken und ihre Traumbilder zu teilen, folgten sie den vielen Pfaden der Welt, deren Oberfläche und tiefste Nischen ihr Widerschein durchflutete.
In ihrem Sog bildete sich ein Schweif aus Kreaturen; jede einzelne davon war ein Stück näher an der Vollkommenheit, und es entstanden die mythischen Wesen Harmundias: die Prodigien, wie die Drachen, die, kraftvoll und gebieterisch, zu Begleitern der Musen wurden; und die Wunder, wie die Sirenen, die mit dem Hüten der verzauberten Plätze beauftragt wurden, an denen die Musen sich ausruhten. Diese Ruheorte wurden Vollkommenheiten oder Perfektionen genannt.
Als die Musen dachten, all die unterschiedlichen Schönheiten Harmundias gesammelt zu haben, vollführten sie das Ritual der Endgültigen Vollkommenheit. Dieses aber brachte keine Vereinigung hervor, sondern erzeugte statt dessen eine neue Muse, ausgestattet mit den ineinander verflochtenen Eigenschaften der ersten vier. Die Mischung der Nuancen Cysèles, Orphèles, Nuences und Stances gebar eine neue Wesenheit, göttlich wie sie selbst, aber dennoch eine Kreatur für sich, die sich selbst als das erfolgreiche Ergebnis der Suche nach der Endgültigen Vollkommenheit sah.
Dieser Unsterbliche begehrte gegen die Musen auf, denn sein tiefster Instinkt war Verführung, Beeinflussung. Er entschloß sich, Gebieter über all die Herrlichkeiten zu werden, die im Ritual zusammengeflossen waren, sich die Lebewesen, die Prodigien und die Wunder Untertan zu machen und zu seinem eigenen Wohl über Harmundia zu herrschen. Er begriff die Idee der Welt als ein Theater, in dem jeder Akteur seine Marionette sein sollte. Und weil sein Geist listig war, offenbarte er den Musen nichts von seiner Natur oder seinem Plan.
Er wurde die Maske.
Und das Drama begann.

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(Übers. u. bearb. v. JS)

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