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Die Reiche Harmundias

Urgamand

Reichswappen: Zerbrochener Spiegel
Altes Imperium: Armgard
Regierung: Wahlmonarchie
Hauptstadt: Lorgol
Sprache: Urgamisch
Schrift: Armgardisch
Klima: gemäßigt (ca. -25°C im Winter, 28°C im Sommer)
Geld: 1 Goldtaler = 100 Silberschilling (= 1 GM)
Ressourcen: Holz, Erze, Nahrungsmittel
Tänzer: ungewöhnlich
Dämonen: selten
Population (%): Menschen 50, Kobolde 15, Gnome 15, Oger 10, Zwerge 10


© Cyrille Daujean / Lord Khony, dt. v. JS

Geographie und Klima
Auf einer Karte betrachtet, sieht Urgamand grob wie ein Pentagon aus, bei dem die östlichen und südlichen Seiten von den mächtigen Ockermondbergen und den Braunhügeln gesäumt werden, den natürlichen Grenzen zur Söldnerrepublik, zu Kesch und Janrenia. Die südwestlichen und westlichen Küsten des Landes sind zumeist lange, hohe Steilküsten, von denen man auf das hunderte Meter tiefer liegende Meer blicken kann. Nur an einigen natürlichen Stellen ist ein Anlanden oder sogar das Erbauen eines Hafens möglich. Die nordwestliche Grenze zur Liturgischen Provinz bildet ein weitläufiges und gefährliches Sumpfgebiet mit tiefen Wasserlöchern und krankheitsverseuchten Morasten. In den Reichen Harmundias ist Urgamand als das Land bekannt, in dem windumwehte Hügel, weite Ebenen, dichte Laub- und Nadelwälder, fruchtbare Täler und mächtige Bergmassive ein vielfältiges Bild der Natur zeichnen. Das Klima ist gemäßigt, und an den Küsten sorgt eine ständige Meeresbrise für Kühlung im Sommer und schneidende Kälte im Winter.

Flora und Fauna
Während ihres letzten Kreuzzuges auf urgamischem Boden verbrannten die Liturgen den größten Teil der nördlichen Wälder, und in den Regionen von Rundstein und Emelgance kann man immer noch in den sogenannten Brandlanden die Spuren der Verwüstungen von 1413 sehen. Heutzutage findet man im Reich große, weitgehend urbar gemachte und kultivierte Ebenen und ausgedehnte Forste. An der keschitischen Grenze im Südosten und im westlichen sowie südlichen Urgamand erstrecken sich üppige, ausgedehnte und sehr wildreiche Waldflächen im Urzustand. Speziell sind von der Flora und Fauna in den gemäßigten Breiten Urgamands hervorzuheben:
Urgamandvögel: Diese Vögel leben nur in Urgamand. Ihre Flügel leuchten im Dunkeln in allen Regenbogenfarben, und wenn jemand die Fähigkeit besitzt, diese Tiere zu zähmen und abzurichten, findet er in ihnen wertvolle Führer in der Nacht.
Brandbäume: Einige der Bäume haben die Zerstörungen der Liturgen überstanden, sie entwickeln sich seitdem aber nicht mehr wie bisher. Ihr Holz und ihre Äste haben den Geruch und die Farbe von verbranntem Holz angenommen, und man hört überall Gerüchte über seltsame Todesfälle und Phänomene im Umfeld dieser Pflanzen.

Wichtige Metropolen und Baronien
Lorgol ist eine Hafenmetropole, deren Gründung schon im Zeitalter der Flamboyanz erfolgte. Die Stadt gehörte dem Baron von Rundstein, bis Agone sie zur Hauptstadt des Reiches machte. Ein gigantischer Baum, der Schwarze Baum, beherrscht Lorgols Stadtbild, seine mächtigen Wurzeln reichen bis tief in die unterirdischen Katakomben hinab, und seine Äste umspielen die berühmten Tausend Türme. Lorgol ist außerdem bekannt für seine unzähligen Innenhöfe voller gewundener Treppen und schräger Podeste. Ebenso sind Lorgols Tavernen berüchtigte Fallen für Nachtschwärmer, die sich besonders in den weniger feinen Gegenden der Stadt in wilden Feiern verlieren können. Aber damit einher geht leider auch eine große Gefahr für Reisende und Bürger gleichermaßen, denn in den Gassen treibt sich viel Gesindel herum, das von Raub und Totschlag lebt.
Emelgance ist die älteste der siebzehn Baronien Urgamands. Sie war im Krieg von 1413 ein Frontbereich und erlitt zwei Jahre lang schlimme Verwüstungen und Plünderungen durch die liturgischen Besatzungstruppen. Daher sind alle Bewohner der Baronie zu jeder Zeit bereit, zu den Waffen zu greifen und ihren Rittern in den Kampf zu folgen. Wie die Sümpfe Rundsteins, so sind auch die Moore und Täler Emelgances voller militärischer Anlagen, die teilweise aber nur noch Ruinen sind: Wachposten, untertunnelte Bollwerke, Trutzburgen.
Moughend im Zentrum Urgamands wurde Hauptsitz des urgamischen Winkelordens, seitdem die Barone diese zwergische Bruderschaft in ihrem Land akzeptierten. Es verwundert daher nicht, daß die Stadt vor atemberaubenden Bauwerken nur so strotzt, wozu vor allem ihre Festung, der astrologische Uhrenturm und die massiven Verteidigungsanlagen gehören. Können und Wissen der Gilden in Moughend sind im ganzen Reich geachtet und lassen viele Urgamen extra in diese Stadt reisen, um Güter der Handwerkskunst zu erwerben.
Rundstein ist als die Heimat des berühmten Agones wohl jedem Bewohner Harmundias ein Begriff. Die ausgedehnten Sumpfgebiete und das tosende Meer, das die Baronie fast vollständig umgibt, zeichnen ein ebenso malerisches wie unwirtliches Bild der Baronie. Doch schon allein Lorgol zieht Besucher aus der ganzen Welt an, die schießlich auch Rundsteins Landschaft kennen- und liebenlernen.

Geschichte
Nach dem Tode Erkmans XIX., des letzten Herrschers über Armgard, wie die drei Reiche Janrenia, Urgamand und die Liturgische Provinz damals noch hießen, versank das ehedem blühende Imperium in Krieg und Chaos, hervorgerufen durch die Machtgier und den Eroberungswillen seiner Lords. Im Laufe der Jahre aber suchten die Menschen wieder den Frieden untereinander und unterteilten Urgamand in siebzehn Baronien. Jede große Stadt wurde zur Zitadelle oder Festung, in der die Menschen der umliegenden Ländereien in der Not Schutz suchen konnten. Aber die urgamischen Adligen fuhren fort, sich in unzähligen lokalen und überregionalen Scharmützeln oder Kriegen zu befehden, bis zu dem Zeitpunkt, als die Janrenen zum ersten Mal in Urgamand einfielen und es verwüsteten. In auswegloser Lage verstand es schließlich ein Baron, Aimfeld von Lorgol, alle anderen Herrscher Urgamands wieder zu vereinen - das erste Mal seit dem Fall Armgards. Die Verhandlungen gestalteten sich zunächst als sehr schwierig, aber dennoch schafften es die Barone, sich innerhalb einer Woche zuzammenzuschließen. Als ein Ergebnis dieser Allianz zogen die Armeen der Baronien, vereint unter dem Befehl Aimfelds, gegen die janrenischen Aggressoren. Die Urgamen schlugen die Invasoren vernichtend auf den weiten Feldern der Großen Brache und bestärkten am Felsen der Einigkeit ihre Allianz. Fürderhin sollte auch in Zukunft immer einer der Barone zum Ersten Baron auf Lebenszeit gewählt werden, der die Interessen Urgamands gegenüber den anderen Herrschern der Zwielichtreiche vertreten sollte.

Politik und Diplomatie
Herrschaftssystem: Feudalismus.
Reichsaufbau: Union aus siebzehn weitgehend autonomen Baronien.
Herrscher: Der Erste Baron ("Primus inter pares") und die Barone der anderen sechzehn Baronien Urgamands.
Recht: Wenige allgemein verbindliche Reichsgesetze, die bestimmte gesellschaftliche Bereiche regeln, z.B. Nachfolgeregelungen, Regelungen des Feudalsystems, Strafgerichtsbarkeit etc. Daneben existieren zahlreiche regionale Gesetzescodices in den einzelnen Baronien.
Diplomatie und nachbarschaftliche Beziehungen: Die einzelnen Baronien sind mittlerweile in ein recht dichtes Netz aus wirtschaftlichen und militärischen Allianzen und Abkommen eingesponnen. Ehemalige Gegner sind zu Verbündeten geworden, und wenn doch einmal wieder lokale Konflikte auftreten, werden diese im Hohen Rat der Barone unter dem Vorsitz des Ersten Barons und dem Beisitz der unabhängigen Chiffrenmagier erläutert und geklärt. Die Barone sind sich trotz der derzeitig recht entspannten außenpolitischen Lage bewußt, daß manche Nachbarn Urgamands nur darauf warten, im Falle einer Schwäche des Reiches zuzuschlagen. Auch die politischen Intrigen der Chiffrenmagier stellen diesbezüglich keine nennenswerte Gefahr mehr für den Frieden in diesem Teil Harmundias dar. Seit längerem unternehmen Keschiten keine Raubüberfälle mehr auf Urgamand. Abgesandte beider Reiche kamen zu einer Einigung über eine deutliche Verringerung der Steuern und Zölle auf die keschitischen Handelskarawanen. Ohnehin ist im Laufe der seit längerem andauernden Friedensphase eine gewisse Freundschaft zwischen Urgamand und Janrenia entstanden, wohl auch deshalb, weil in Janrenia zunehmend mehr Frauen in den politisch entscheidenden Positionen sind und sich intensiv für friedliche Verbindungen einsetzen. Obwohl die Urgamen dieser Entwicklung im Nachbarkönigreich befremdlich gegenüberstehen, akzeptieren und respektieren sie dennoch die politisch-diplomatische Kompetenz der janrenischen Frauen. Zwischen der Liturgischen Provinz und Urgamand sind die Beziehungen allerdings deutlich gespannt. Fortdauernde Versuche der Liturgen, in das nördliche Urgamand einzufallen und Länderein zu okkupieren, haben eine tiefe Kluft des Hasses zwischen den beiden Völkern entstehen lassen. Die Menschen in der Söldnerrepublik werden von den Urgamen mit großer Skepsis betrachtet, denn kein wahrer Urgame kann nachvollziehen, warum ein Soldat seine Kraft und sein Leben für Geld anbietet. Für die Urgamen sind ihre Heimat und ihr Mutterland heilig, wo sie geboren wurden und aufwuchsen und wofür es sich allein zu kämpfen lohnt. Trotzdem verhindert diese Einstellung nicht, von Zeit zu Zeit in Verhandlungen mit der Söldnerrepublik zu treten, wenn die Zeiten danach verlangen, zum Beispiel für die Kämpfe gegen die Liturgen oder für Expeditionen in die gefährlichen Brachlande der Hörner. Die Urgamen sind gute Seeleute, und manchmal drängt es sie, nach Norden zu segeln und die Küsten und Ländereien der Hörner auf der Suche nach nützlichen Ressourcen zu erforschen. Diese Expeditionen sind zwar sehr riskant, sie versprechen aber den Erfolgreichen ein gutes Einkommen oder sogar großen Reichtum.

Gesellschaft
Die Bevölkerung Urgamands wohnt größtenteils in ländlichen Gebieten und in kleineren Städten, und nur wenige Städte erreichen eine Größe von mehr als 5000 Einwohnern. Obwohl mehrheitlich von Menschen besiedelt, harmonieren und kooperieren alle Rassen in Urgamand einträglich miteinander. Besonders zwischen Zwergen, Gnomen und Menschen sind im Laufe der Zeit enge Bindungen entstanden. Dazu trugen und tragen nicht unerheblich die allgemein vorherrschende Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Rassen und Religionen bei.
Der Adel: Der Adel stellt die unbestritten herrschende Oberschicht in Urgamand dar. Die siebzehn weitgehend unabhängigen Baronien des Reiches werden dabei von den Baronen regiert, wobei einer der Barone von den anderen im Hohen Rat der Barone zum jeweils Ersten Baron auf Lebenszeit gewählt wird. Viele Barone sind große Krieger, aber auch andere Leidenschaften sind neben dem Kriegshandwerk nicht selten, zum Beispiel die Jagd oder wirtschaftliches und akademisches Wissen. Seit dem Entstehen des Reiches Urgamand wird der Titel des Barons vom Vater auf den ersten Sohn übertragen, wie es das urgamische Gesetz verlangt. Töchter dürfen zwar Ländereien und Besitztümer ihr Eigen nennen, sie sind aber von der Erbfolge ausnahmslos ausgeschlossen.
Hierarchie: Erster Baron - Baron - Graf - Bannerherr - Freiherr.
Die Ritter: Die urgamischen Barone verwalten ihre Ländereien mit Hilfe der adligen Ritter, den Angehörigen der berittenen Kriegerkaste. Diese Männer beaufsichtigen kleine Domänen im Namen der Barone und in Übereinstimmung mit den Gesetzen Urgamands. Aber die Ritter stellen nicht nur die Eliteeinheiten der urgamischen Armeen dar, sie sind vielmehr auch Taktiker, politische Berater und loyale Freunde ihrer Lords.
Die Bildungsschicht: Mit dem Entstehen und Wachsen des Städtewesens etablierte sich in Urgamand auch ein höheres Bildungsniveau in Verbindung mit akademischen Strukturen und Institutionen. Mit den Städten und dem aufblühenden Handel ging die Entwicklung und Verfeinerung von Schriftlichkeit bis zur anspruchsvollen Literatur einher. Die urgamische Sprache verfügt über ein sehr präzises, fest definiertes Vokabular, welches wohl das reichhaltigste ganz Harmundias ist. Im Laufe der Jahre haben sich zahlreiche akademische Professionen und Zweige herausgebildet, unter anderem ein ausgeprägtes Bibliothekswesen, Verwaltungs- und Handelslehren, ein Rechts- und Gerichtswesen et cetera. Priester und Vikare sehen sich nicht als eigener klerikaler Stand, sondern als Angehörige der akademisch gebildeten Schichten.
Die Chiffrenmagier: Magier stehen außerhalb des feudalen Systems und sind keine Vasallen der Barone. Nichtsdestoweniger spielen sie eine wichtige Rolle im Reich, und seit der Wahl von Agone von Rundstein zum Oberhaupt des Reiches haben die Chiffrenmagier eine herausragende, vielschichtige Rolle in der nationalen Politik und Diplomatie gespielt. Eigentlich verbietet zwar die Tradition der letzten Jahrhunderte den Zauberern eine Einflußnahme auf die Politik, aber Agone ermöglichte die Aussöhnung der Barone mit den Magiern, indem er offizielle magische Schulen errichtete und junge Adlige ermutigte, die Geheimnisse der Magie und der Tänzer zu lernen.
Die Gemeinen: Es gibt zahlreiche Siedlungen, Dörfer und kleine Städte in Urgamand, und der Großteil der Bevölkerung lebt nach wie vor außerhalb der Städte. Durch ihre landwirtschaftliche Arbeit in den fruchtbaren Tälern und weiten Ebenen des Reiches garantieren die Bauern und Gemeinen eine ausreichende Versorgung der Städte und adligen Höfe. Trotzdem haben diese Männer und Frauen nur relativ wenige Rechte, und Möglichkeiten, ihr Leben zu verbessern, ergeben sich für sie sehr selten. So bleibt den meisten dieser größtenteils analphabetischen Menschen lediglich, mit ihrer Arbeit zum allgemeinen Wohlstand des Landes und der mittleren und oberen Schichten beizutragen.
Kriminalität: Urgamands blutige Vergangenheit hinterließ eine Tradition des Raubens und Plünderns. In den meisten Städten gibt es Diebesgilden, und manche von ihnen sind mächtig genug, um die lokale Politik und Machtstrukturen zu beeinflussen. In den ländlichen Regionen zeichnet sich allerdings ein anderes Bild ab, denn Räuber, Diebe und Gewalttäter werden rücksichtslos zur Strecke gebracht. Wenn sie nicht gleich von den Eskorten der Handelskarawanen an Ort und Stelle getötet werden, überwältigt man sie und schickt sie, wenn sie Glück haben, in die Söldnerrepublik oder nach Janrenia. Viele werden auch einfach als Sklaven an die keschitischen Stämme verkauft.


© Boris Courdesses

Wirtschaft und Handel
Die Urgamen haben den anderen Reichen nicht sonderlich viel anzubieten. Dennoch verfügen sie über einige wertvolle Ressourcen und Produkte. Ihre Fähigkeiten in der Waffenherstellung sind beeindruckend, und Janrenia und die Söldnerrepublik sind für dieses Handelssegment wichtige Absatzmärkte. Auch der erlesene Geschmack vieler Adliger, die sich prachtvolle Bauten und Prunkgärten voll mit großartigen Kunstwerken errrichten ließen, ist in ganz Harmundia bekannt. Alle nach Norden ziehenden Karawanen aus Kesch und Modehen müssen durch Urgamand, voll beladen mit wertvollen Stoffen, Edelsteinen, Holz und Nahrungsmitteln. Die Urgamen profitieren erheblich von diesem blühenden Handel, indem sie den Karawanen Zölle und Steuern auferlegen und sich im Gegenzug mit Eskorten für die Sicherheit der Händler verbürgen. Relikte und Überreste aus der großartigen Epoche der Flamboyanz locken darüber hinaus immer wieder Tänzer und, damit einhergehend, natürlich auch Tänzerjäger in die urgamischen Städte, die ihre Beute dann den Magiern in den Nachbarreichen verkaufen. Die urgamischen Akademiker sind hochqualifiziert und weithin gesucht, besonders die im Handel und in der Diplomatie sowie in Sprachen geschulten.

Magie in der Region
Die Tausend Türme: Im Norden Lorgols, der Hauptstadt Urgamands, beherrscht ein wirklicher Überrest der Flamboyanz das Stadtbild: die Tausend Türme. Diese untereinander auf zahlreichen Ebenen verbunden Bauwerke gehören zu den beeindruckensten Sehenswürdigkeiten ganz Urgamands. In der Nacht leuchten ihre gläsernen Fenster auf und tauchen alles um sie herum in einen geheimnisvollen Glanz. Einige Menschen behaupten, die Türme seien ein Opus, das von einem Concordisten erschaffen wurde, um Cysèle zu verführen. Die Muse sei über das Werk so erfreut gewesen, daß sie dem Erschaffer seines Körpers beraubt und ihm damit ermöglicht habe, für alle Zeiten in den endlosen Korridoren und unterirdischen Hallen der Tausend Türme umherzuwandeln.
Niemand hat bisher alle Türme zählen können, denn viele von ihnen wechseln manchmal den Standort oder verschwinden zwischenzeitlich. Jeder Turm ist ein eigenes und einzigartiges Meisterwerk. Der Phaleanische Turm leuchtet zum Beispiel jeden Abend hell auf. Der Labyrinthturm hat viele Türen, die niemals in den Raum führen, der dahinter zu sehen ist, es sei denn, man möchte den Turm verlassen. Der Schwebende Turm beginnt mit dem zweiten Stockwerk und schwebt in der Luft, als gäbe es kein erstes. Der Transparente Turm zeigt je nach Tageszeit immer nur ein Stockwerk. Der Wankende Turm bewegt sich im Wind hin und her und wirkt so dünn, als sei er aus Holz; er ist aber aus dickem Kalkstein. Der Wachsende Turm hat bereits über 400 Stockwerke, und alle zehn Jahre kommt automatisch ein weiteres hinzu - der Turm ist allerdings nur zwanzig Meter hoch.
Die Schule des Dämmerlichts: Die Schule wurde unter einem gewaltigen schwarzen Baum gegründet, dem Baum des Dämmlichts, der auf einem sandigen Stück Land wuchs und dem Meer trotzte. Sie war so gut vor der ausspähenden Magie der Jahreszeitlinge geschützt, daß sie für die meisten Sterblichen völlig unsichtbar war. Die Lehrer in dieser mysteriösen Schule waren alle von einer unheilbaren magischen Krankheit befallen, die nur die Kraft des dunklen Baumes eindämmen konnte. Die unterschiedlichen Fachbereiche, die in der Schule entstanden, formten die Geister und Herzen der Studenten, die von den Psycholunen - den größten Meistern des Dämmerlichts - dazu auserkoren waren, Graue Eminenzen zu werden. Wenn die ausgebildeten Schüler die Schule wieder verließen, traten sie als brillante Berater in die Dienste irgendeines Lords in Harmundia. Aber niemand wußte, daß sie auch perfekte Spione waren, die beständig alle Geheimnisse aus ihren Domänen und der herrschaftlichen Umgebung an die Schule berichteten.
Die Eminenzen der Schule waren dadurch eine sehr gefährliche Bruderschaft. Sie konnten einander an den Spuren erkennen, welche die Zeit in der Schule an ihren Körpern hinterlassen hatte: Ihr Haar war schlohweiß, ihre Haut aschefarben. Kurz bevor Intrigen einiger ketzerischer Magier zum letzten Krieg zwischen Urgamand und Janrenia führten, zerstörte Agone von Rundstein, der selbst Student dieser Akademie war, die Schule. Der Baum des Dämmerlichts starb, aber Agone verwendete einen Samen des Baumes, um den Schwarzen Baum von Lorgol zu pflanzen, als die Stadt zur Hauptstadt wurde.
Die Grauen Eminenzen folgen trotz allem weiterhin ihrer Bestimmung - fünfunddreißig Jahre nach diesen Ereignissen. Die Mehrheit von ihnen dient Agone, andere haben sich einem "Höheren Guten" in Harmundia verschrieben. Aber einige haben auch versucht, Agone für seinen Verrat an der Schule zu töten, und ihr Groll ist nicht vergessen.
Welches Schicksal wird das Dämmerlicht ereilen? Diurn hinterließ Agone sein Erbe, der es dazu benutzte, die Obskurantisten an der heimlichen Verlängerung des Krieges zwischen Urgamand und Janrenia zu hindern. Dann wurde er selbst zu Urgamands Erstem Baron. Aber er blieb nicht lange in seiner Hauptstadt, und seine Pläne sind undurchsichtig. Er ist Diurns Erbe und führt die Ausbildung Grauer Eminenzen fort. Er pflanzt weitere Dämmerlichtbäume und gründet andere Schulen, identisch mit der zerstörten Schule des Dämmerlichts und genauso geheim und versteckt. Die Grauen Eminenzen spielen dabei eine mehrdeutige Rolle. Sie sind Spione und Ratgeber und, obwohl es die meisten von ihnen nicht wissen, dienen indirekt Janus, der sie benutzen kann. Der Unsterbliche spricht zwar nur sehr selten seine Urteile, aber von Zeit zu Zeit kommt es vor.
Andere mehr oder weniger befremdliche Annahmen über Agone von Rundstein kursieren unter den Grauen Eminenzen. Er bleibt einzigartig in Harmundia, nicht nur wegen seines Schicksals, sondern auch wegen der ungewöhnlichen Macht seiner Flamme. Melodiker, Eklipsist, bewandert in Obskurantismus, Besitzer eines Rapiers, das geboren wurde aus der Alten Kunst der Gestalt... Seit seinem Aufenthalt in der Dämmerlichtschule wurde er eine inspirierte Graue Eminenz, Diurns Erbe, aber gezeichnet vom Schatten, von intensiver Blässe und weißem Haar, wie alle mysteriösen Studenten dieser Schule. Seine Beziehung zu Diurn und dem Schatten läßt manche glauben, daß der beste Posten, auf den Janus Agone setzen konnte, der des Nachfolgers von Nox sei. Denn ohne die Anwesenheit des Schatten könnte Agone selbst über die Dämonen herrschen...

Reisebedingungen
Das Reich hat ein rudimentäres Straßennetz, das aber seit der letzten liturgischen Invasion noch nicht wieder vollständig instandgesetzt werden konnte. Das Reisen würde dementsprechend schwierig sein, wenn nicht die Barone mit Blick auf die üppigen Zolleinnahmen vieles unternähmen, um die Reisebedingungen wieder zu verbessern. Darüber hinaus helfen die ständig umherziehenden Mitglieder der Präzeptorale, der Bruderschaft der Wanderlehrer, allen Reisenden, die in Not oder Schwierigkeiten stecken. Und das kann ziemlich schnell passieren, denn Straßenräuberei und Brigantentum sind zu einer Landplage geworden. Allerdings gibt es in ganz Urgamand viele Herbergen und Postenhäuser, die Sicherheit bieten. Das Klima ist außerdem zwar etwas rauh, aber durchaus dem Reisen zu jeder Jahreszeit förderlich.

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(Übers. u. bearb. v. JS. © Bild oben: Didier Graffet)

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